Der Heinsesche  Nachlass

[Die Tagebücher]

I. Der  Heinsesche  Nachlass im 19. Jahrhundert: Bemühungen  um seine Veröffentlichung

Grundlage für die Heinseforschung  im 19. Jh. war die erste Gesamtausgabe von  Heinses  Schriften, von  Heinrich  Laube 1838  unternommen.  Nach neuestem Stand der Heinseforschung ist diese unvollständig,  fehlerhaft  und philologisch unzulänglich. Im Schlusswort des 10. Bandes kommt  Laube auf den Aufruf an den Leserkreis zurück, den er  um Mitteilungen  über Heinse gebeten hatte: Wenig,  nichts hat sich gemeldet; ein herbes Zeugnis, wie einsam  Heinse über das Feld  nach  seiner  Grube gewandert ist. Was in den vorliegenden  zehn Bänden geboten  wird, scheint  alles zu  sein, was Heinse je geschrieben hat...wir  haben uns redlich  umgetan, aber nichts  gewonnen,  nicht einmal die Hoffnung, dass etwas Erkleckliches zu gewinnen  wäre...  Heinrich  Laube hat demnach  den  Heinseschen  Nachlass nie  zu Gesicht bekommen.
Heinses  Nachlass wird auf  der Stadtbibliothek  zu Frankfurt a/M. aufbewahrt.  Er befindet sich  in zwei großen Pappkästen  und  bestand  ursprünglich  aus 82  Nummern,  wovon  aber eine ganze Anzahl  nicht  mehr  vorhanden  sind. Es fehlen jetzt die Nummern  3, 16, 33, 35, 40-43, 45, 48,49, 51,  66-68, 72-80. Über  den Verbleib des Fehlenden  konnte  ich  nichts ermitteln.
Äußerlich betrachtet, finden sich  nur einige gebundene Nummern  dabei, das meiste besteht aus  steif  broschierten Octavbändchen verschiedener Dicke und  die  höheren  Nummern bestehen vielfach aus losen Blättern,  durch einen  Bindfaden  zusammengehaltenen Briefkonzepten  und andern Aufzeichnungen.  Bleistiftschrift  ist durchaus vorherrschend, und  das erschwert  bei  manchen  Heften  die Lesung und  Entzifferung  ungemein.  An  Stellen  ist  die Schrift verblasst und  verwischt  und  daher ganz unlesbar. Auch sonst  ist  bei dem  flüchtigen,  kladdeartigen  Hinwerfen  der Schrift die Leserlichkeit  oft gering, so namentlich  Nr. 10 1.
Am 14. 2. 1998  erschien  in der Frankfurter Rundschau  unter  der Überschrift  Kellerfund- Aus Heinses Nachlass: dem Vergilben entrissen auf  Seite 9 ein zweispaltiger Beitrag von  Ralph-Rainer Wuthenow. Daraus seien einige Passagen zitiert:
Der Nachlass Wilhelm Heinses ruht seit gut hundert Jahren  in  der Frankfurter  Stadt- und Universitätsbibliothek, wohin er durch die Söhne von  S. Thomas  Sömmering, des berühmten Anatomen, mit dem Heinse befreundet war, gelangte. Man hat sich seiner gelegentlich und durchaus willkürlich bedient, so für die längst verschollene Werksausgabe im Inselverlag (1902 ff.) wie auch für Neuausgaben des Ardinghello; einzelnes wurde in Studien  über Heinse bekannt gemacht.
Eine längst fällige Ausgabe des gesamten  Nachlasses wurde zwar hin und wieder erwogen,  konnte aber nicht realisiert werden; auch jetzt gibt es wieder Pläne und Vorarbeiten zu einem solchen Unternehmen, die freilich ohne eine größere finanzielle Unterstützung keine Aussicht auf  Erfolg
haben dürften. Inzwischen vergilben die vielen  Notizhefte im Archiv, die immerhin  zeigen, dass in ihnen  mit den Reisenotizen, Einfällen  und Exzerpten,  Reflexionen  zur Literatur  und Kunst, Gemäldebeschreibungen  und Landschaftsskizzen  Heinse in seiner ganzen Bedeutung, seinem geistigen Reichtum sichtbar gemacht  werden könnte.
Ein erstes Zeugnis dieser  neuen Bemühungen  um den Heinseschen  Nachlass liegt  nun vor:  die sorgfältige, gewissenhafte  wie erkenntnisreiche Ausgabe eines der Notizhefte aus Heinses späteren Zeit, das lange als verschollen  gelten musste und vor  einigen  Jahren  erst  wieder aufgetaucht ist und nun mit ausführlichem Kommentar  gedruckt werden konnte 2.
An  anderer  Stelle schreibt Wuthenow:  Sollte es sich nicht doch lohnen,  den Schatz  des Heinseschen  Nachlasses endlich zu heben?  Ist der Blick, der Zugriff, das Feuer , die Denkkraft
und die Anschaulichkeit dieses Mannes wirklich verurteilt, im Archiv  zu ruhen  und nach und nach unleserlich zu werden?...
Das Nachlaßheft  mit der Nr. 16 wurde von  Jessen als fehlend angegeben. [ s. o.].
Ausführlich beschäftigte sich  Erna  M. Moore  mit den Tagebüchern  Wilhelm  Heinses.3
Auf S. 9  ihrer Arbeit heißt es: Die erste offizielle Nachricht  über diese bisher verschollenen Schriftbestände ist Hermann  Hettner zu danken, der 1881 im Archiv  für Literaturgeschichte  einige Briefe und Dokumente aus dem Heinsesschen Nachlass veröffentlichte  und bekannt gab: Diese Papiere sind in meinen Händen... Der Enkel  Sömmerings, Architekt  Karl  Sömmering  in Frankfurt am Main, hat sie mir zur Auswahl  und Herausgabe... anvertraut.
An  anderer Stelle heißt es: Diese Entwicklung [gemeint ist der Tod  Hettners] veranlasste  Karl Sömmering, die literarische Hinterlassenschaft Heinses der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Main zum Geschenk zu machen,  wo sie sich gegenwärtig noch befindet. Obwohl die Existenz  dieser Schrift nun  bekannt  war, blieben sie noch  auf Jahre kaum  benützt  und unbeachtet  liegen, bis der Schriftsteller  Wilhelm  Heinse durch  neue geistige Strömungen  um die Jahrhundertwende eine Wiedergeburt erfuhr. Hier  muss darauf  hingewiesen  werden, dass Heinses hinterlassene Manuskripte in der Literaturforschung  bald die wenig zutreffende Bezeichnung  Tagebücher erhielten.  Streng  genommen  verdienen  nur die Reisenotizen  diesen Titel;  alle anderen  Schriften des Nachlasses sind keine Tagebücher  im  üblichen  Sinne. Hermann  Hettner  sprach  in der erwähnten  Bekanntmachung  nicht von Tagebüchern,  während  Hans Müller, der als zweiter  in diese Schriften  Einsicht  nahm, im ersten Teil seiner  Arbeit von  Studien, Kollektaneenheften und von  Notizen  berichtete,  dann  aber  im  weiteren  Verlauf  des Aufsatzes konsequent  das Wort  Tagebücher  benutzte, sooft er sich auf  die Nachlaßschriften  bezog. Das geschah ganz offensichtlich  der Einfachheit  und  Bequemlichkeit  halber  und entsprang  dem  Bestreben, eine solche Vielfalt von  Geschriebenem einem  zusammenfassenden  Gattungsnamen  unterzuordnen. Die Bezeichnung  Tagebücher  hat sich  bis in die Gegenwart  erhalten  und ist in der Heinseforschung  zu einem traditionellen  Begriff  geworden.
Erna  M. Moore geht auf  S. 25 auf die Bedeutung Karl  Detlev  Jessens  Arbeit  Heinses Stellung zur  bildenden  Kunst  und  ihrer  Ästhetik  ein. Die Studie sei die erste  literatur- wissenschaftliche  Arbeit  über  Heinse, die auch  die  unbekannten  Manuskripte  zur Dokumentierung  benutzte.
An  anderer  Stelle (S. 25)  heißt es: Um aber  dem  Leser  eine gewisse Vorstellung von  diesen unveröffentlichten  Manuskripten  zu vermitteln, versah  er  seine Arbeit mit  einem  erklärenden Anhang. Hier  wurden  dem  literarisch  interessierten  Publikum  zum  erstenmal  genaue  und deutliche Angaben  über den Umfang  und den  Inhalt  des unerschlossenen Heinseschen Nachlasses gemacht. Auf  S. 26 schreibt Erna M. Moore:
?Jessens literaturwissenschaftlich  wertvolle und grundlegende Arbeit rückte nicht nur den so lange unbeachteten Nachlass Heines in seiner Gesamtheit  und  Vielseitigkeit  ins Tageslicht, sondern trug auch  wesentlich  zur Rehabilitierung des Ardinghello-Dichters bei. Weiter auf  S. 27: Während Jessen seine Heinsestudie für germanistische Fachkreise schrieb, bemühte sich Schüddekopf, Kostproben aus Heinses  unbekannten  Schriften  einem  größeren  Publikum zugänglich  zu machen.  Durch seine Initiative  erschien 1901 im dritten  Quartal der Zeitschrift  Die Insel eine Auswahl aus Heinses unveröffentlichten Tagebüchern, die Heinse auf interessante Weise mit markanten  Kulturbestrebungen  der Zeit verbindet.
Bereits 1887 , 5 Jahre nach  Erscheinen von  Johann  Schobers Heinse-Biographie4, in der Schober  aus dem Heinseschen  Nachlass Briefe von  Heinse veröffentlichte, erschien die Studie des Musiktheoretikers Hans Müllers Wilhelm Heinse als Musikschriftsteller.  Zu dieser  Studie  verwande er erstmalig in der Heinseforschung die Nachlaßschriften  Heinses  und stellte  fest:
?Ich hielt es nebenbei der Mühe wert, den gesamten  handschriftlichen  Nachlass Heinses, der sich
in der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Main  befindet, nochmals einer  genauen Durchsicht zu würdigen, um so mehr da dies von  dem neusten, sonst wohl gerüsteten  Heinsebiographen  Johann
Schober leider  unterlassen  wurde...

II. Die Teileditionen  des Heinseschen  Nachlasses  im Zeitraum 1902 - 1960

In  einer kurzgefassten Übersicht sollen die Editionsarbeiten, die sich  mit dem Heinseschen Nachlass befassen , aufgezeigt werden.  Die Arbeit von Erna M. Moore ?Die Tagebücher Wilhelm Heinses soll hierbei die wichtigste Informationsquelle sein.
Die von Carl Schüddekopf 5 geplante Gesamtausgabe von Heinse Werken sollte 10 Bände umfassen. Dabei sollten im 8. Band der bisher unveröffentlichte Nachlass Heinses erstmalig in Druck gehen.
1902 erschien als erstes der Band IV mit Ardinghello und die glückseligen Inseln.
Schüddekopf  bearbeitete den Roman kritisch und zog zur Dokumentierung seiner Entstehung-
geschichte Heinses Studienhefte und Tagebücher heran. Im  kritischen Anhang brachte er ihm wichtig erscheinende Niederschriften von Heinse zum erstmalig zum Abdruck. Erna  M. Moore schreibt dazu: Zur Zeit der Neuerscheinung des Ardinghello stellten diese Mitteilungen aus Heinses unbekannten Schriften einen neuen und interessanten Einblick in das Werden des Werkes dar; gleichzeitig entzogen sie sich der Kritik, da die noch unveröffentlichten Nachlaßschriften ein vergleichendes  Urteil unmöglich machten. 1903 erschienen 3 weitere Bände der Heinse-Ausgabe, die Bände II, V und VI. Bei Band II ( enthält: Enkolp; Die Kirschen; Erzählungen) brauchten keine Tagebücher zu Hilfe genommen werden. Bei den Bänden V und VI (enthalten Hildegard von Hohenthal und Anastasia und das Schachspiel) wurde auf das Vorhandensein von Vorarbeiten zu Hildegard in verschiedenen Nachlaßheften hingewiesen.. Er berücksichtigte auch Arbeiten von Hans Müller und Karl Detlev Jessen. Zur Anastasia sind nach Schüddekopf Einzelnes aus Heinses Aphorismenbüchern übernommen worden. 1904 erschien der zehnte Band der Ausgabe mit sächern? übernommen worden. 1904 erschien der zehnte Band der Ausgabe mit sämtlichen erreichbaren Briefen Heinses bis zur Laidion, der 1908 mit dem zweiten Teil vervollständigt wurde. Diese enthält auch sieben Stücke  aus dem Nachlass Heinses. 1909 erschien Band VII mit allen Reisetagebüchern. Welche Niederschriften Heinses Schüddekopf  hierfür verwendete, führt Erna M. Moore  im einzelnen an: die Manuskripte Nr. 60 (Hinreise  nach Italien... und Nr. 19 und 20 (Rückreise), welche bereits teilweise geheftet vorlagen..., ferner kamen Seiten aus Manuskript Nr. 1  (Holländische Reise) zum Abdruck, weniges aus den Heften 24 (Rheinland), 25 (Mannheim), 27 (Ziegenberg) und 7.?
Der Band X mit Heinses Briefen von Beginn der italienischen  Reise bis zu seinem Tode erschien 1910. Erst 1913 kam Band I mit sämtlichen Gedichten Heinses, frühen Aufsätzen und den  Musikalischen Dialogen hinzu. Bis auf  Band VIII war damit das Werk Wilhelm Heinse, Sämtliche Werke veröffentlicht. Im Band I ist die Einleitung  von Schüddekopf zur Gesamtausgabe von Heinses Werken enthalten, worin die noch unbekannten Schriften eine Rolle Spielen und neben der Verwendung von Briefen erstmalig  auch auf die Verwendung der Tagebücher und Studienhefte  zur Beleuchtung der geistigen Entwicklung Heinses hingewiesen wurde. Erna  M. Moore stellt heraus: Was Schüddekopf  im allgemeinen über Heinses Tagebücher und Studienhefte und über die Verarbeitung dieser Notizen in den Romanen zu sagen hatte, lehnte sich stark  an Brechts Heinsestudie6 an, auf die später eingegangen werden soll.
Carl Schüddekopf  konnte die Heinse-Ausgaben nicht mehr vollenden. Er starb 1917.
Für die Heinseforschung  ist die 1910 von Arthur Schurig  veröffentlichte Biographie Der junge Heinse und seine Entwicklung bis 1774 von Bedeutung. Er nahm Einsicht in Heinses unveröffentlichte Schriften und berücksichtigte für seine Arbeit Jessens Anhang  und benutzte Auszüge aus dem  Nachlass. Er erkannte die grundlegende Bedeutung der Tagebücher und Studienhefte.
Erna  M. Moore würdigt die herausragende Leistung als Mitherausgeber der Schüddekopfausgabe: Seine Arbeit stellte der  Heinseforschung endlich die erwarteten Tagebücher in wissenschaftlicher
Bearbeitung zur Verfügung. Sie weißt aber auch auf Unvollkommenheiten bei Benutzung und Auffindung der verstreuten Abdrucke  hin.
Das Jahr 1911 brachte eine entscheidende Heinse-Studie: Walther Brechts Heinse und der ästhetische Immoralismus. Auf dieser Studie beruht nach  Erna M.. Moore die gesamte neuere Heinseforschung: Im Gegensatz  zu seinen Vorgängern  in der Heinseforschung war er sich klar, dass nicht die Werke Heinses, sondern seine Tagebücher und seine privaten Studienhefte vollen Zugang zu seiner geistigen Welt ermöglichten. Daher unterzog er den noch unerschlossenen literarischen Nachlass Heinse einer intensiven Durcharbeitung und gelangte zu einer neuen Erkenntnis:Die Tagebücher sind Heinses eigentliches ,Werk' , sein Dokument, nicht die gedruckten Schriften, deren Wertvollstes oft nur fragwürdige Umredaktionen aus dem Tagebuch darstellt... Nicht was er mit unzulänglichen Können in die Romanform goss, das Eigenste und Beste ist, was er, avant la lettre, in seine Tagebücher schrieb.
An andere Stelle heiß es: Indem Brecht in diesen kurz als Tagebücher bezeichneten Manuskripten das ursprüngliche Ideenreservoier der Romane Heinses erkannte, erhielten sie fundamentale Bedeutung und rückten für ihn naturgemäß in das Zentrum der Heinseforschung.
Brecht fügte seinen  Ausführungen einen  dreiteiligen Anhang von  Auszügen aus den  Heinseschen Manuskripten  an. Weiter heißt es bei Erna M. Moore: Von den bisher erschienenen Teilveröffentlichungen aus Heinses Nachlass war die von Brecht unternommene, fast hundert Seiten umfassende Auswahl die umfangreichste und bedeutendste.
Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Heinse-Tagebücher durch Leitzmann erschien Albert Zippels Studie Wilhelm Heinse und Italien7.Zippel arbeitete  die in der Frankfurter  Stadtbibliothek lagernden Manuskripte durch. Er fügte seiner Arbeit ein informatives Literaturverzeichnis bei. 1930 und 1931 erschienen Studien von Hans R. Sprengel  Naturanschauung und malerisches Empfinden bei Wilhelm Heinse8.und von Hans Friedrich  Menck  Der Musiker im Roman9, einer Besprechung der Hildegard von Hohenthal. Die Autoren verwendeten nicht Originalmanuskripte sondern stützten sich  auf die Tagebücher der Schüddekopf-Leitzmann-Ausgabe.
Vom Ausbruch des  zweiten Weltkrieges  bis Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhundert trat die Heinseforschung  auf der Stelle, sieht man vom  Erscheinen einer Sammlung von Auszügen aus den gesamten Schriften Heinses von Richard Benz Wilhelm Heinse, Vom großen Leben10 ab.
1958 erschien diese bei Reclam als Neuausgabe unter dem Titel Wilhelm Heinse, Aus Briefen, Werken, Tagebüchern, hrsg. von R. Benz. R. Benz traf Auswahl und Anordnung Heinsescher Gedanken nach der Schüddekopf-Leitzmannschen Heinse-Ausgabe.  Auch R. Benz legte nicht die Originalmanuskripte und Aufzeichnungen Heinses  aus dem Heinseschen Nachlass in Frankfurt am Main zu Grunde. Ein ausführlicher Quellen-Nachweise verweist auf Wilhelm Heinse, Sämtliche Werke einschließlich umfassenden erläuternden Namen- und Sachregister.  Erich Hocks Beiträgen  zur Heinseforschung11 liegen tiefgründige Studien der Tagebücher zugrunde. Er verwies  auf die Vielzahl von Niederschriften aus Notizheften und Tagebüchern  hin und zitierte Stellen aus den Tagebüchern. Erna M. Moore bemerkt zu den Studien von Benz und Hock, dass dies nur summarische  Ergebnisse privater Studien des Heinseschen Werkes, aber keine systematisch- literaturwissenschaftliche Untersuchungen darstellten.

III. Die Bemühungen um eine Neuedition des Heinseschen  Nachlasses  im Zeitraum 1960 bis 2000

1964 erschien bei H. Bouvier in Bonn die umfassendste Untersuchung der Heinseforschung  seit
Brecht mit  Max  L. Baeumers  Studie Das Dionysische in den Werken Wilhelm Heinses. Baeumer bemerkt zu seiner Arbeit, daß die noch  zum größten Teil unerschlossenen Tagebücher Heinses zu dieser Arbeit erstmalig in ihrer Gesamtheit herangezogen wurden. Er stellte wie Brecht  und Benz die Tagebücher in den Mittelpunkt der Schriften Heinses und wies auf das in ihnen enthaltene reiche und noch unbearbeitete Forschungsmaterial hin.1975 erschien bei Philipp Reclam jun., Stuttgart, Ardinghello und die glückseeligen Inseln, hrsg. von  Max L. Baeumer mit über 300 Seiten Textvarianten, Dokumenten zur Wirkungsgeschichte, Anmerkungen und einem Nachwort. Baeumer bringt sämtliche Varianten der Nachlaßaufzeichnungen Heinses zum Neudruck der Erstausgabe von 1787.
Aus der großen Zahl von Baeumers Veröffentlichungen12 seien genannt: Heinse-Studien: mit einer bisher unveröffentlichten Schrift Heinses zur Erfindung der Buchdruckerkunst in Mainz.
Die Studie zu einer bisher unveröffentlichten Schrift zur Erfindung der Buchdruckerkunst enthält das Aschaffenburger Manuskript und Heinses Schrift sowie den Abdruck der Fassungen mit Kommentar. 1997 erschien Baeumers Studie Winckelmann und Wilhelm Heinse - Die Sturm-und Drang-Anschauung von den bildenden Künsten. Der Studie angeschlossen sind fünfzig von Rita Terres entzifferte und bisher unveröffentlichte Blätter aus Heinses Nachlassheft 55. Darin hat Heinse Auszüge und eigene Bemerkungen zu Winckelmann: Geschichte der Kunst des Alterthums niedergeschrieben. Sie wurde  hier erstmalig veröffentlicht und in ihrer Gesamtheit erörtert.
Rita Terres hat für die Identifizierung von Exzerpten Heinses  aus zeitgenössischen Schriften zur Kunsttheorie in einem 46 seitigen Anhang zu ihrem Buch über Die Ästhetik Heinses wichtige Vorarbeit geleistet. So hat sie u.a. die Originaltexte, aus denen Heinse exzerpierte unter Vorlage der entsprechenden noch nicht entzifferten Teile der Nachlaßaufzeichnungen mit Heinses Anmerkungen und Kommentaren verglichen, korrigiert,  neu geordnet und  annotiert.
Jürgen Schramke hat in seinem Buch Wilhelm Heinse und die Französische Revolution13  nach Baeumer die ?spärlichen und weit verstreuten Tagebuchaufzeichnungen und auch die Werkaussage Heinses zum Geschehen der Revolution erstmalig und soweit wie möglich, zeitlich genau bestimmt...?14. Weiter schreibt Baeumer: ?Schramke unterscheidet zwischen ?privaten Aufzeichnungen, in denen Heinse  seine wahren, positiven Ansichten über die Französische Revolution niedergeschrieben habe, und dem zur Veröffentlichung vorgesehenen und sehr negativen Aufsatz Ueber einige Grundsätze der Französischen Drakonen von 1794....
1971 fand in Aschaffenburg eine zweitägige Editionskonferenz statt, wo sich Literaturwissenschaftler und Germanisten aus 2 Kontinenten trafen, um gemeinsam mit dem Verleger, dem Wilhelm Fink Verlag, München, darüber zu beraten, wie man eine kritische Neuausgabe des Heinseschen Gesamtwerkes gestalten und durchziehen kann15. Das Main-Echo schrieb dazu: Die neu geplante Ausgabe wird auch den gesamten Nachlaß mit einschließen. Der Nachlaß enthält die Manuskripte der meisten Gedichte und eine Menge von Aufzeichnungen, die man früher mit Tagebüchern und Aphorismen bezeichnete. Diese  Aufzeichnungen umfassen den Zeitraum von 1774 bis zu Heinses Tod 1803. Auch das Reisetagebuch der italienischen  Reise und Anmerkungen zur italienischen  Kunst gehören dazu. Zum erstenmal ist der Nachlaß im Jahr 1925 veröffentlicht worden. Baeumer stellte jedoch während seiner Beschäftigung mit Heinse fest, daß in dieser Ausgabe mehrere hundert Seiten dieses  Nachlasses fehlten, Seiten, die Auszüge aus gelesenen Werken, aber auch wesentliche  Kommentare  Heinses zu diesen Werken enthalten.
1975 schrieb das Aschaffenburger Volksblatt in Nr. 170 vom 28.07.1975:  Am Freitagabend ging
im Sitzungssaal des Rathauses eine Konferenz  zu Ende, der eine internationale Bedeutung auf dem Gebiet der Literatur zukommt. Unter der Leitung von  Professor  Dr. Max  L. Baeumer von der
University of  Wisconsin-Madison (USA) trafen sich 13 Wissenschaftler der verschiedenen
Disziplinen [USA, Italien, Schweiz,  BRD], um die letzten Vorbereitungen für Textherstellung und
Kommentare zu treffen, die der auf 18 Bände geplanten  historisch-kritischen Gesamtausgabe der
Werke von Wilhelm Heinse zugrunde gelegt werden sollen. Mit der Aufarbeitung des
umfangreichen Materials, das fast ausschließlich in der Stadtbibliothek in Frankfurt  aufbewahrt wird, wurde vor vier Jahren begonnen. Der erste Band, der etwa 400 Seiten umfassen wird, soll Ende des nächsten Jahres erscheinen. Die neue Heinse-Edition wird die Heinse-Gesamtausgabe von Schüttekopf und Leitzmann nicht nur ergänzen, sondern um zahlreiche Texte und Kommentare erweitern. Bisher noch nicht veröffentlichte Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Übersetzugen werden  in die Gesamtausgabe aufgenommen., so daß dann der internationalen Wissenschaft ein Werk  zur Verfügung  steht, das in seiner Art als einzigartig bezeichnet werden kann.
Im Main-Echo vom 26.07.1975 ist zu lesen: Erst vor  fünf  Jahren wurde damit begonnen, die insgesamt 900 Seiten [Notizen, Tagebuchaufzeichnungen, Stichworte zu gepanten Werken etc.] zu entziffern. Vieles ist mit Bleistift kaum erkennbar hingekritzelt. Die Hälfte davon können die Wissenschaftler inzwischen  lesen. Heinses Briefwechsel schließlich enthüllt den Heinse-Forschern ganz neue Aspekte. Nachdem Prof. Dr. Heinrich Mohr 31 bislang unbekannte Briefe des Dichters entdeckt hatte, erkannte er zum Beispiel: Heinses Verhältnis zu seinem Lehrer Wieland war viel besser als bisher bekannt. H. Mohr: Wieland hat Heinse viel höher eingeschätzt als wir bisher wußten. Wieland war sogar sehr bemüht um Heinse. Die achtzehnbändige Heinse-Gesamtausgabe sollte frühestens in 10 Jahren komplett vorliegen. Der erste Band, den Professor  Dr. Wolfgang Hübner von der Universität Venedig fertiggestellt hat, ist eine Heinse-Übersetzung des Petronius-Romans Begebenheiten des Enkolp. Die Zeitung zitiert dazu Prof. Dr. Max L. Baeumer:
Ein höchst unanständiges Werk. Aus der Heinse-Neuedition wurde  nichts, was wohl  hauptsächlich daran lag , daß die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Aussicht gestellte Finanzierung nicht erfolgte. Auch konnte der Wilhelm Fink Verlag die immensen  Kosten, die die
Vorarbeiten verursacht  hätten, nicht übernehmen. 1998 bereitete  Professor  Dr. Werner Keil, Musikwissenschaftliches Seminar Detmold, mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine kommentierte Studienausgabe sämtlicher musikalischer Schriften Heinses vor16. Die Arbeiten am Nachlaß in Frankfurt am Main waren  zu dieser Zeit abgeschlossen, der  Haupttext erstellt und die Kommentierung  wurde begonnen. Prof. Keil informiert darüber, daß von Heinse aus Italien mitgebrachte  Musikalien scheinbar nicht  mehr vorhanden sind. Definitiv befinde sich nichts in Frankfurt;  in Düsseldorf  (Sammlung des Grafen Nesselrode),  in  Mainz und Aschaffenburg vermutlich auch  nichts (dort habe ich selbst aber noch nicht alle denkbaren Archive überprüft). Prof. Dr. Keil schreibt weiter, dass sich in der Seminarbibliothek  zeitgenössische Drucke  und Handschriften von Opern, mit denen Heinse sich  intensiv befaßt hat, beispielsweise von Traetta, Jomelli und Majo befinden.
Ab 1996 war ein Editionsprojekt Vollständige Neu-Edition des Nachlasses  von Johann Jacob Wilhelm Heinse am Institut für Deutsche Sprache und Literatur II, Fachbereich 10 der  Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main unter Leitung von Professor Dr. Ralph-Rainer Wuthenow17 geplant. Das Vorhaben bestand darin, die bisher unveröffentlichten Handschriften Wilhelm Heinses komplett zu editieren und dadurch die in hohem Maße lückenhafte und veraltete Publikation von Carl Schüddekopf  und A. Leitzmann  (Band 8, I-III), Leipzig 1902 ff., zu ersetzen. Ziel des Unternehmens war, die in den letzten Jahren allmählich wieder auflebende Heinse-Forschung endlich auf eine solide Basis zu stellen. Auszüge  aus der geplanten Neu-Edition: Ausgehend von einem Verhältnis von ca. 3.000  Manuskripten zu ca.1750 Druckseiten bei Leitzmann, ist anzunehmen, daß das Textvolumen auf ca. 2.200 Seiten anwachsen wird. Angestrebt
ist, daß der Anmerkungsteil etwa 1.200 Seiten nicht übersteigen soll. Das Gesamtvolumen der
Ausgabe läge somit bei ca. 3.500 Seiten einschließlich der notwendigen Einleitung  (Angaben entsprechen Normseiten = 1.800 Anschläge die Einteilung der Bände (wir veranschlagen die
gesamte  Edition auf 6 Bände mit jeweils ca. 600 Seiten) kann erst im weiteren Verlauf entschieden
werden.1998  legte Frau Dr. Dürten Hartmann den  abschließenden Arbeitsbericht Kritische
Untersuchung  und Neubewertung von Wilhelm Heinses Nachlaß vor, den sie für die Mitarbeiter
an der vor über zwanzig Jahren begonnenen und nicht weitergeführten historisch-kritischen Heinse-Ausgabe  anfertigte.18 Den Vortrag hielt sie  anläßlich eines Wissenschaftlichen Symposiums, das  zu Ehren des vor 250 Jahren verstorbenen Wilhelm Heinse in Weimar stattfand.
D. Hartmann verweist darauf, daß die Forschungs- und Editionsgeschichte der Aufzeichnungen  Wilhelm Heinses von Erna M. Moore dargelegt wurde. Ansatzpunkte für ihre Untersuchungen bildeten Carl Schüddekopf und Albert Leitzmann in der Werksausgabe, ferner Karl Detlev Jessen, Walther Brecht,  Max  L. Baeumer und  Rita Terras. Die Aufgabenstellung  des Vorhabens:
?Die vorliegende Untersuchung erfaßt den Nachlaß von Wilhelm Heinse, wie er in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt  am Main zur Verfügung steht. Der Nachlaß besteht aus rund 3650 Blättern (7300 Seiten) handschriftlicher Aufzeichnungen, zum größten Teil aus Bleistiftnotizen von unterschiedlicher und durch Abnutzung zusätzlich beeinträchtigter Schriftqualität. Die Aufzeichnungen verteilen sich auf 60 gebundene broschierte oder geheftete Bände und Konvolute von losen Blättern. Von den 60 Heften handelt es sich bei 49 um eigenhändige Schriften Heinses, neun Hefte enthalten Abschriften und Auszüge Heinsescher Texte, zwei bringen andere Texte, ebenfalls von fremder Hand. Aus der lückenhaften Numerierung von 1 bis 82 läßt sich auf 22 fehlende Hefte schließen, über deren Verlust und Verbleib bisher nichts bekannt ist. Die Nachlaßhefte sind bisher weder lückenlos noch in der originalen Anordnung editiert worden. Es gibt kein zuverlässiges Verzeichnis der unveröffentlichten Texte. Ferner fehlt eine vollständige Übersicht über den Inhalt der Blätter, vor allem fehlt eine exakte Bestandsaufnahme und Zustands- analyse der Hefte. Aufgabenstellung und Arbeitsmethode ergaben sich aus dieser Situation. So mußten erstmalig
- der gesamte Nachlaß photographisch  aufgenommen,
- eine Aufstellung der veröffentlichten und unveröffentlichten Texte gegeben,
- ein Überblick über den Inhalt aller Hefte gewonnen,
- Kriterien zur Datierung der weitgehend undatierten Aufzeichnungen gesucht,
- eine detaillierte Bestandsaufnahme und Zustandsanalyse  erstellt  werden.

 Inhalt der Arbeit: 1. Aufgabenstellung, 1.1. Bestandsaufnahme, 1.2. Datierung und Zustandsanalyse,  2. Ergebnisse der Untersuchung und neue Erkenntnisse,  2.1 Nummerierung der Nachlaßhefte, 2.2 Paginierung der Nachlaßhefte, Blatt und Bogenzählung, 2.3 Nachweis originaler Anordnung  der gebundenen Hefte; Anordnung der ungebundenen Hefte,  2.4 Aufbau und Werkcharakter der Nachlaßhefte,  2.5 Aufzeichnungen  im Verhältnis zu Heinses  Romanen 2.6 Aufzeichnungen als biographische Dokumente Heft 25 als Beispiel verschlüsselter Aussagen,  2.7  Zur Nachlaßproblematik aufgezeigt  an  Beispielen, 3. Forschungsaufgaben.

IV. Die Heinse Nachlass Edition19

Kommentierte Neuausgabe der Frankfurter Nachlasshefte von Wilhelm Heinse.Gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung in Zusammenarbeit  mit der Stadt-und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.

Herausgebergremium: Prof. Dr. Adolf Heinrich Borbein (Berlin) [Archäologe], Prof. Dr.Thomas Gaehtgens (Berlin) [Kunsthistoriker], Prof. Dr. Volker Hunnecke (Berlin) [Historiker], Prof. Dr. Werner Keil (Detmold) [Musikwissenschaftler], Prof. Dr. Norbert Miller (Berlin) [Kompartist= Vergleichender Literaturwissenschaftler]
Projektleitung: Privatdozent Dr. Markus Bernauer, Arbeitsstelle Berlin.
E-mail: Markus.Bernauer@TU-Berlin.de
Dr. Bernauer referierte  am 3.12  2000  im Heinse-Haus Langewiesen über den Stand der Arbeiten
zur Heinse Nachlass  Edition. Bisher wurden alle 3650  Blätter (7300 Seiten) der vorliegenden 64
Nachlaßhefte fotokopiert und auf  4 CD-ROM digitalisiert. Die lückenhafte Nummerierung von 1bis 82
läßt auf 22  fehlende Hefte schließen, deren  Inhalt vorwiegend aus Briefen besteht.
Es fehlen weiterhin drei Jahre Reiseberichte der Italienreise. Der Bestand eines Teiles der Konvolute konnte inzwischen aufgefunden und rekonstruiert werden; es handelt sich dabei um Briefe an Heinse, darunter  jene des Malers Müller, die Hettner 1882 veröffentlicht hat  (Diese Briefe befinden sich heute, wie andere auch im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main). Alle Versuche, die übrigen fehlenden Hefte aufzufinden, sind bisher gescheitert. Es dürften somit noch 10 bis 14 Hefte fehlen. Die Editionssituation von Heinses Nachlass  ist bis heute unbefriedigend. Die von Carl Schüddekopf und Wilhelm Leitzmann von 1902 bis 1925 besorgte, für ihre Zeit allerdings mustergültige Ausgabein den Bänden VII und VIII, 1-3 der Sämmtlichen Werke ist nicht nur unvollvollständig, sie zerreißt die Hefte auch und ordnet die Notizen nach thematischen Gesichtspunkten. So gibt beispielswiese Band VII sogenannte Reisetagebücher von der Italienreise, die in dieser Form  im Nachlass nicht vorhanden sind. Schwerwiegender sind noch die Auslassungen. Die Herausgeber Schüddekopf und Leitzmann verzichten auf Exzerpte, obwohl  Heinse seine Exzerpte mit eigenen Kommentaren durchsetzt hat. Die Neuedition von Heinses handschriftlichem Nachlass soll den gesamten Textbestand der sämtlichen Frankfurter Hefte umfassen (einschließlich der Exzerpte); die Hefte werden dabei in ihrer vom Autor noch weitgehend selber vorgenommenen Zusammenstellung belassen. Kernstück der Edition wird eine umfassender Kommentar sein.
Die Kommentierung hat, selbstverständlich neben der Anmerkung der Namen (was bei vielen Künstler- und Komponistennamen aufwendige Recherchen verlangt) Exzerpte und Zitate auf ihre Quelle zu überprüfen, Bilder und Skulpturen zu identifizieren sowie Notizen zu Opern zu erklären. Soweit wie nach dem heutigen Erkenntnisstand möglich, sind Erläuterungen zu den von Heinse besuchten Sammlungen zu geben. Die Bände werden mit Personen-, Kunstwerk- und Ortsregister erschlossen werden. Eine Reihe der Hefte ist im späten
19. Jahrhundert unter ungeklärten Umständen verloren gegangen; alle Versuche, diese Hefte aufzufinden,
sind bisher gescheitert.
Die Edition soll zum 200. Todestag Wilhelm Heinses im Jahre 2003 abgeschlossen sein.
Unter der Überschrift Glückliche Tage in der Galerie  - Wilhelm Heinse als Kunstschriftsteller: Zum Stand der Edition schreibt Michael Thimann in der FAZ20: Es ist erklärtes Ziel der Nachlaßeditoren, Heinses eigenen Anteil aus den zahlreichen Reisenotizen, Übersetzungen und Paraphrasen, die er in den Notizheften für weitere literarische Verwertung sammelte, herauszudestillieren... der sechzig Hefte umfassende  Nachlaß von Wilhelm Heinse befindet sich seit dem späten 19. Jahrhundert  im Besitz der Frankfurter Stadt -und Universitätsbibliothek. Aus der lückenhaften alten Zählung läßt sich  leicht erschließen, daß ursprünglich eine geschlossene Reihe von mindestens 82 Heften, die zum Teil nur aus willkürlich zusammengebundenen Konvoluten von Aufzeichnungen und Briefen bestehen, existiert haben muß. Doch fehlt von 22 Heften bisher jede Spur. Die Editoren hoffen, daß die geschickte Kombination von Hinweisen zur Wiederentdeckung der Aufzeichnungen führen könnte. Die Nachlaßverwalter des 19. Jahrhunderts waren mit den Papieren offenbar  recht freizügig umgegangen: ohne daß eine geplante  Edition sichtbare  Formen angenommen hätte, wurden einzelne Konvolute an interessierte Korrespondenten zur Lektüre verschickt, wobei ein Teil des Nachlasses leicht verloren sein kann.
Es läßt sich heute relativ genau erschließen, was sich neben einer Anzahl von Briefen in dem bis jetzt verschollenen Konvolut befunden haben könnte, da sich Heinse für seine Romanpublikationen eng an die Notizen hielt. Somit hat eine spannende Suche begonnen, die vielleicht noch für überraschende Funde
sorgen wird. Denn auch das lange Zeit verloren geglaubte Nachlaßheft Nummer 16 ist erst  im Jahre 1977 unerwartet auf einer Auktion bei Hauswedell & Nolte aufgetaucht und konnte von der Frankfurter Universitätsbibliothek angekauft werden.

Horst-J. Schadwinkel, Heinse-Freundeskreis e.V. Langewiesen

1   Jessen, Karl  Detlev:  Heinses Stellung zur bildenden Kunst und ihrer Ästhetik. - Berlin: Mayer &   Müller, 1901.- XVIIII,  225 S.
2
   Wilhelm , Ira: Wilhelm Heinse:  Aus verwischten  einzelnen Blättern.  Das Nachlassheft Nr. 16,
     Röhrig Verlag, St. Ingbert 1997, 93  S.
3   Moore, Erna M.: Die Tagebücher Wilhelm Heinse , München., 1967.
4   Schober, Johann: Johann  Jacob Wilhelm Heinse, Sein Leben  und  seine Werke, Leipzig 1892
5   Heinse, Wilhelm, Sämmtliche Werke, hrsg. von Carl Schüddekopf,
     10 Bde. (Bd. VIII in 3 Teilen hrsg, von Albert Leitzmann), Leipzig 1902-1925.
6   Brecht, Walther: Heinse und der ästhetische Immoralismus, Berlin 1911.
7   Zippel, Albert: Wilhelm Heinse und Italien. - Jena: Frommann, 1930.
  Deutsche Forschungen, hrsg. Von Friedrich Panzer, 24. Bd., Frankfurt 1930.Von
9   Beitrag zur Geschichte der vorromantischen Erzählungsliteratur, Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Heft XVIII, Heidelberg 1930.
10 Richard Benz: Wilhelm Heinse, Vom großen Lenben. München, 1943.
11 In Erna M. Moore:  Die Tagebücher Wilhelm Heinses .Fußnote 19, S. 84R
12 Bärwinkel, Roland: Heinse-Biographie. Sekundärliteratur 1803-1996. Sonderdruck aus Das Maß des Bacchanten, Wilhelm Heines Über-Lebenskunst,
     hrsg. Von Gert Theile.  Wilhelm  Fink Verlag. München, 1998.

13 Schramke Jürgen: Wilhelm Heinse und die Französische Revolution. Tübingen 1986.
14 Baeumer, M. L.: Zur neuen Heinse-Forschung in Maß des Bacchanten s.o.
15 Main-Echo Nr. 173 vom 31.07.1971
16 Briefl. Mittl. an Andy Schadwinkel vom  26.04.1998
17 Antrag auf Förderung eines Editionsprojektes. Kopie in der Dokumentationsstelle d. Heinse-Hauses in Langewiesen.
18 Theile, Gert Hrsg.). Das Maß des Bacchanten - Wilhelm Heinses Überlebenskunst -. München 1998
19 Internet:  http//www.tu-berlin.de/fb1/heinse_edition/index.html
20 FAZ vom 04.10. 2000 Autor: Michael Thimann
  
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