Heinse beschloß sein Leben, das er geschmackvoll zu genießen verstand,
als kurfürstlicher Bibliothekar in Aschaffenburg im Jahre 1803.
Erst das junge Deutschland erinnerte sich wieder an ihn, als es
eine Ahnenreihe der Immoralisten brauchte. Diese unsere Zeit wird Heinse
vielleicht eine stärkere als bloß literarische Unsterblichkeit geben; man kann
ihn mehr als lesen.
Franz Blei, 1904
Der nachfolgende Beitrag zum Leben und Werk Wilhelm Heinses entstammt der polnischen Literaturzeitschrift „Arkadia“ mit dem Untertitel “Pismo katastroficzne“ (Katastrophische Zeitschrift). Der Autor ist freischaffender Übersetzer. Er hat u.a. G. Chr. Lichtenbergs „Sudelbücher“ und H. Heines „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ ins Polnische übersetzt. Tadeusz Zatorski lebt in
Krakau.
Er schenkte dem Heinse-Freundeskreis die Nr. 13-14 der Zeitschrift mit dem Beitrag über Wilhelm Heinse.
Umschlagseite der Zeitschrift
Tugendhafter Immoralist - Zum 200. Todestag Wilhelm Heinses - Von Tadeusz Zatorski
A Stella, la mia misteriosa amica italiana
che mi ha incoraggiato ad occuparmi
d’uno scrittore ingiustamente dimenticato.
“Es ist das Schicksal unfertiger Naturen, vorzeitig vergessen zu werden. Heinse verdient dies Schicksal nicht. Er ist ein so reichbegabter und vielseitiger Geist, dass es sich wahrlich lohnt, in ihm die Spreu und den Weizen zu sondern.“ So schrieb über Wilhelm Heinse Hermann Hettner, einer der hervorragendsten Kenner der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts.[1] Heinse ist heute wirklich ein fast gänzlich vergessener Autor. Übrigens nicht ohne eigene Schuld. Alle seine vier Romane – oder eigentlich philosophisch-ästhetischen Traktate, nicht immer sehr geschickt in den Rahmen einer eher kargen Handlung gezwängt – hatten keine Chance, eine dauerhafte Beliebtheit zu gewinnen und ihr Verfasser selbst scheint sich auch wenig darum gekümmert zu haben. Wie es oft vorkommt, als der wertvollste Teil seines Werkes erweist sich jetzt das, worauf er möglicherweise kein sehr großes Gewicht legte: Hefte mit unzähligen Aufzeichnungen zu unterschiedlichsten Themen, welche Aufzeichnungen er manchmal in den zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Schriften verwertete.
Johann Jakob Wilhelm Heinse wurde am 15 Februar 1746 in Langewiesen geboren, einer kleinen Stadt bei Ilmenau in Thüringen. Sein Vater war dort Stadtschreiber (später auch Bürgermeister) und Organist. Trotzdem wuchs der junge Heinse in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. In Jena und Erfurt, wo er Jura studierte, hatte er doch das Glück, großzügige, einflussreiche und ihm wohl gesonnene Gönner zu treffen, wie Professor Friedrich Justus Riedel oder Christoph Martin Wieland, einen der damals angesehensten Schriftsteller, und später auch den beliebten Dichter Johann Wilhelm Gleim.
Ruhm – wenn auch einen etwas eigenartigen – erreicht Heinse ziemlich früh, freilich nicht durch eine eigene Schrift. 1773 veröffentlicht er nämlich eine Übersetzung des Satyricon von Petronius, eines Werkes, das den etwas zwielichtigen Ruf eines Romans von geradezu pornographischem Charakter genießt. Die Übersetzung Heinses hält man für meisterhaft, doch sie wird zu einem Sittenskandal und der empörte Wieland bezichtigt den Übersetzer eines „Seelenpriapismus“. Eine Zeitlang ist Heinse gezwungen unter Pseudonym zu publizieren und wird das Etikett eines Skandalautors nicht mehr los, das er übrigens schon aus eigenener Wahl auch später noch bestätigen wird. Denn ähnliche Reaktionen löste ein Jahr später sein erster eigener Roman, Laidion oder die eleusinischen Geheimnisse, aus. Dem Werk sind 56 Stanzen angeschlossen, von denen Wieland meint, dass sie „nur von Hurenwirten und Bordellnymphen mit Beifall gelesen [...] werden“[2], aber Goethe, den Heinse im Juli desselben Jahres in Pempelfort bei Düsseldorf kennen lernt, verbirgt seine Bewunderung nicht und beschenkt den Autor mit dem höchsten denkbaren Kompliment: Bei der Lektüre mancher Stellen habe er den Eindruck, als ob er sie selbst geschrieben hätte. Und an Gottlob Friedrich Ernst Schönborn schreibt er am 4. Juli 1774: „Laidion oder die eleusinischen Geheimnisse. Es ist mit der blühendsten Schwärmerei der geilen Grazien geschrieben, und lässt Wieland und Jacobi weit hinter sich, obgleich der Ton und die Art des Vortrags, auch die Ideen Welt in denen sich's herumdreht mit den ihrigen coinzidirt. Hinten an sind Ottave angedruckt die alles übertreffen was je mit Schmelzfarben gemahlt worden.”[3]
Die nächste Station auf dem unruhigen Lebensweg Heinses, der inzwischen schon Hauslehrer war und sogar – erfolglos – eine Geldlotterie zu gründen versuchte, ist Düsseldorf, wo er von 1774 bis 1780 mit der „Iris“, einer Zeitschrift für elegante Damenwelt zusammenarbeitet, die von Johann Georg Jacobi herausgegeben wird, dem Bruder des damals berühmten Philosophen und Publizisten Friedrich Heinrich, des Urhebers vom Begriff des „Nihilismus“, wohlgemerkt. Und im „Teutschen Merkur“, dessen Herausgeber Wieland ist, der zwar die translatorischen und schriftstellerischen Unternehmungen seines ehemaligen Günstlings missbilligt, aber ihn immer noch schätzt und eine gewisse Sympathie für ihn empfindet, erscheint gleichzeitig eine Reihe ausgezeichneter ästhetischer Skizzen Heinses, die den Gemälden der Düsseldorfer Galerie gewidmet sind, vor allem denen von Raffael und Rubens.
Es gibt damals zwei Länder, von denen zumindest eines (am besten aber beide) ein deutscher Künstler oder Literat unbedingt besuchen soll – England und Italien. England gilt als die Wiege der Aufklärung, das Vaterland des freien Gedankens, des wissenschaftlichen Fortschritts und des Parlamentarismus, mit allen seinen Gebrechen, so scharfsinnig von Georg Christoph Lichtenberg beschrieben, der die Beratungen des Unterhauses aufmerksam verfolgt. Italien wird dagegen als ein riesengroßes Museum angesehen, wo man wohl am besten das antike Erbe konserviert hat, das wahre Vaterland aller schöpferischen Geister. Hier und da lassen sich freilich skeptische Stimmen vernehmen. Johann Wilhelm von Archenholtz stellt in seinem 1785 herausgegebenen Buch England und Italien einen Vergleich zwischen beiden Ländern an, wobei er ein recht niederschmetterndes Urteil über das letztere fällt, dem zufolge Italien eine Art hinterbliebenes Freilichtmuseum ist, bewohnt von einer demoralisierten, ungebildeten und gegen den katholischen Klerus blind gehorsamen Gesellschaft. Diese Auslassungen nimmt allerdings kaum jemand ernst. Das Land, „wo die Zitronen blühen“, bleibt nach wie vor das Ziel beinahe obligatorischer Pilgerfahrten von Künstlern aus ganz Europa. Als Goethe 1786 seine Italienreise antritt, will er seine „Existenz ganzer (...) machen“[4] und den „klassischen Boden“ unter die Füße bekommen. Ein solches Bild Italiens als einer Schatzkammer der Antike hat der allgemein angesehene Historiker der antiken Kunst, Johann Joachim Winckelmann, geprägt. Als jedoch 1780 Heinse seine erträumte Reise nach Süden beginnt, ist der Gegenstand seines Interesses vor allem die italienische Renaissance. Er bewundert antike Bauten, aber sklavisches Nachahmen der Alten, von Winckelmann so empfohlen, ist in seiner Sicht ein Weg nach Nirgendwo. Zumal Winckelmann zu Hauptmerkmalen der antiken Kunst „eine edle Einfalt und eine stille Größe“[5] bestimmt, das heißt jenes sozusagen „apollinische“ Element des griechischen Altertums. Dagegen sucht Heinse vielmehr dessen „dionysisches“ Wesen – auch wenn er es noch nicht so nennt – das, wie er glaubt, in vollem Maße eben von der italienischen Renaissance wiederentdeckt wurde.
Heinses Reise finanzieren teilweise Gleim und Johann Heinrich Jacobi. Doch der Schriftsteller verfügt nur über sehr beschränkte Mittel. Er wandert meist zu Fuß, „glückselig, wie wenige Menschen es sein können; gesund und hell und frisch“, denn „es geht doch nichts über einen Reisenden zu Fuß mit fröhlichem Mut und heitrer Seele und Stärke und Munterkeit in den Gelenken, der seinen Reisebündel selbst trägt wie Pythagoras und Plato“[6]. In Italien, das er über die Schweiz und Provence erreicht, verbringt er zwei Jahre und bis an sein Lebensende wird er dann bedauern, sich dort nicht auch häuslich niedergelassen zu haben. Er besucht Genua, Padua, Modena, Venedig, wo er ein halbes Jahr bleibt, Florenz, Siena und endlich auch Rom. Im Juli und August 1782 hält er sich in Neapel auf, doch auf die ersehnte Reise nach Griechenland muss er aus Geldmangel verzichten. Im September 1783 kehrt er nach Düsseldorf zurück.
Die wichtigste Frucht dieser Reise ist Ardinghello und die glückseligen Inseln, ein 1787 zum ersten Mal herausgegebener, ziemlich locker komponierter Roman, dessen abenteuerliche Handlung mit allerlei Beschreibungen von Kunstwerken, philosophischen und ästhetischen Diskussionen sowie Erwägungen über Religion und Politik reich durchwirkt ist. Sein Titelheld ist nicht nur ein wahrer Renaissancekünstler, der sich erfolgreich in Malerei, Musik und Dichtung versucht, sondern auch eine Art „Superman“, romantischer Abenteurer, unerschrockener Rächer seines Vaters, Befreier wehrloser, von Korsaren entführter Frauen, glücklicher Liebhaber, Politiker von weitem Horizont, endlich auch selbst Korsar und Gründer eines Idealstaates auf jenen schon im Titel erwähnten „glückseligen Inseln“, wo eine Handvoll Auserwählter, die sich der Fesseln der christlichen Moral entledigt haben, beschließt im Einklang mit der Natur und eigenen Überzeugungen zu leben. In dieser utopischen Republik herrscht eine allgemeine Gütergemeinschaft, die Ehe wird durch freie Liebe ersetzt und an Stelle des Christentums baut man einen Naturkult auf, der Elemente des Pantheismus und Hylozoismus in sich vereinigt, wobei sich Ardinghello selbst zu einem seiner Hauptpriester macht. Über die Angelegenheiten der Gemeinschaft dürfen auch Frauen mit entscheiden, die nicht „als bloße Sklavinnen“[7] behandelt werden; freilich erweist sich Heinse in dieser Frage als eher vorsichtiger Revolutionär, indem er bereit ist, ihnen lediglich zehn Prozent der Stimmen „in Vergleich mit den Männern“[8] zuzuerkennen.
Wie die meisten derartigen Projekte aus dem 18. Jahrhundert – so etwa auch der Roman des Polen Ignacy Krasicki „Die Abenteuer Doswiadczynskis"[9] (1775) – trägt Heinses Traumrepublik viele Züge eines Staates, den wir heute als beinahe totalitär ansehen würden: Männer und Frauen leben grundsätzlich getrennt, Kinder gehören dem Staat, nach dessen Zielen sich auch alle „Tugenden und Künste“ zu richten haben[10]. Dieser Staat führt übrigens eine höchst aggressive Politik. Raubzüge und der Handel bringen ihm Sklaven und Sklavinnen, innerhalb weniger Jahre unterwirft er einen Teil der griechischen Inseln, und Ardinghello kann mit Stolz schreiben: „Bei den Griechen rotteten wir in gesellschaftlichen Gesprächen bald den Aberglauben aus und verschafften ihren Geistlichen auf anständigre Weise Unterhalt“[11].Ardinghello brachte Heinse Ruhm und Beliebtheit – wie ihm selbst unwohlwollende Kritiker bezeugen – beide freilich von ziemlich kurzer Dauer. Doch es war wieder jener etwas zwielichtige Ruhm eines Pornographen und Skandautors. Der Roman enthielt nämlich– für jene Zeit – ungewöhnlich gewagte Beschreibungen von erotischen Abenteuern seiner Helden. Diese Zügellosigkeit hatte allerdings ihre Grenzen: Bevor eine Gruppe leidenschaftsgetriebener Künstler und sie begleitender Freundinnen sich bacchantischen Tänzen hingibt, wird „ein feierlicher Vertrag“ geschlossen, „nichts Schändliches zu beginnen und die Leidenschaften bis ans lange Ziel gleich olympischen Siegern im Zügel zu halten, wie's braven Künstlern gezieme“[12]. Tatsache ist es aber auch, dass man, als in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts einige „extremindividualistischen Berliner Sozialisten“[13] beschlossen, den Roman in einer gekürzten, von den langweiligen Beschreibungen und ästhetischen Ausflügen des Autors gereinigten Fassung wieder herauszugeben, doch das Projekt... wegen des Eingriffs eines Staatsanwalts aufgeben musste.
Die Erotik Ardinghellos ist dabei eher eine Projektion unerfüllter Träume als Niederschrift wirklicher Erfahrungen des Autors. Merkwürdigerweise fehlen eigentlich in der Biographie Heinses, ohne Zweifel eines großen Kenners der damaligen erotischen Literatur, jegliche Spuren irgendwelcher dauerhafterer Beziehungen zu Frauen. Zu bezweifeln ist, ob der oft am Rande des Elends lebende Schriftsteller sich auch während seiner Italienreise all jenen Lebensfreuden hingeben konnte, die sein Held so reichlich genießt. Für wenig wahrscheinlich hält dies jedenfalls der Verfasser einer der besten Monographien über Heinse, Claudio Magris, der ihn einen „tugendhaften“ oder „enthaltsamen“ Erotomanen (erotomane casto)[14] nennt. Auch eine Flucht auf „glückselige Inseln“ ist eine utopische Sehnsucht, die den Schriftsteller seit langem schon begleitet. Bereits 1771 schreibt er Gleim: „Vielleicht kann ich mich auf meiner Reise zu einer Kolonie gesellen, die ein schönes Land in einem glückseligen Klima aufsuchen will!“[15] Woanders fügt er hinzu: „Oh, wie will ich mich freuen, wenn ich einmal unter Menschen komme, die nackend gehen und wo ich nackend gehen kann“.[16] Der Traum, sich aus der geistigen Enge der deutschen Provinz hinauszureißen, verwandelt sich bei Heinse in eine leidenschaftliche Anklage der christlichen, oder wie er sich in Ardinghello ausdrückt, „barbarischen“ Moral, die nicht nur „Feindin des Lebendigen“[17], sondern auch etwas Unnatürliches und Erkünsteltes ist: „Alle unsre Moral ist gemacht und steht nur in Büchern“.[18] Diese Moral ist für wahrhaft große Menschen nicht verbindlich, und erst recht nicht für Künstler. Bereits im Vorwort zu seiner skandalerregenden Petronius-Übersetzung schrieb er: „Die Dichter, Maler und Romanschreiber haben ihre eigene Moral. Es wäre eine sehr unbillige Forderung, wenn man von ihnen verlangte, sie sollten lauter Grandisonen, Madonnen und Kruzifixe und Messiaden zur Welt bringen. Die Moral der schönen Künste und Wissenschaften zeigt die Menschen, wie sie sind und zu allen Zeiten waren“.[19] Diese Träume vom „Übermenschen“, später auch theoretisch in einer zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht gebliebenen Abhandlung Megalopsychos. Ein Mann von großer Seele systematisiert, deren geistiges Klima und Sprache nach der Meinung Max L. Baeumers schon den Zarathustra Nietzsches vorankündigen[20], haben ihre Quelle zum Teil in der von den Dichtern des Sturm und Drang hervorgebrachten Idee des „Kraftgenies“, das, wie 1788 der berühmte Freiherr von Knigge schrieb, „sich über Sitte, Anstand und Vernunft hinauszusetzen einen besondern Freibrief zu haben“ glaubte[21]. Über die Einfälle der jungen Rebellen machen sich dann auch die vernünftigeren Zeitgenossen, wie Georg Christoph Lichtenberg oder Jean Paul Richter und Nachkommen, wie etwa Anette von Droste-Hülshoff, erbarmungslos lustig: „Ich wette, du meinst dich ein Kraftgenie, /Und scheinst doch andern ein Flegel“[22].
Zum Zeitpunkt, wo Heinse seinen Roman veröffentlicht, ist die Sturm-und-Drang-Ideologie im Grunde schon Anachronismus. Der gerade aus Italien zurückkommende Goethe hat bereits längst vergessen, dass er einst Autor des eisenhändigen Götz von Berlichingen war, er ist nun ein Klassiker, dem ausschweifende Phantasien des ehemaligen Pempelforter Bekannten unmöglich gefallen können. Voll Widerwillen verzieht er das Gesicht: Ardinghello sei ihm „verhasst“, weil er „Sinnlichkeit und abstruse Denkweisen durch bildende Kunst zu veredeln und aufzustutzen unternahm“[23]. Doch – das ist aber wahrscheinlich ein unbeabsichtigtes Kompliment – Heinses Roman löst bei ihm gleiche Bedenken aus, wie... die Räuber Schillers. Der letztere übrigens, mit Heinse in einem so wenig schmeichelhaften Zusammenhang erwähnt, nennt seinerseits Ardinghello in Über naive und sentimentalische Dichtung „eine sinnliche Karikatur, ohne Wahrheit und ohne ästhetische Würde“. Allerdings stellt er gleichzeitig fest: „Doch wird diese seltsame Produktion immer als ein Beispiel des beinahe poetischen Schwungs, den die bloße Begier zu nehmen fähig war, merkwürdig bleiben“.[24]
Das Urteil der beiden großen Weimarer hat eine niederschmetternde Kraft und verdammt Heinse bald zu einer etwas schemenhaften Existenz in den Anmerkungen zur Geschichte des Romans im 18. Jahrhundert. Trotzdem scheint Ardinghello auf die zeitgenössische und spätere deutsche Literatur einen stärkeren Einfluss ausgeübt zu haben, als man gwöhnlich meint. Die Idee „der Emanzipation des Fleisches“, im Schaffen des jungen Clemens Brentano (in Godwi) und anderer Romantiker vorhanden, ist ohne Zweifel einer der Hauptfäden von Heinses Roman und die Gestalten von „emanzipierten“ Frauen, wie etwa Molly oder Ottilie bei Brentano, die Comtesse Blainville in Ludwig Tiecks William Lovell, die Titelheldinnen von Friedrich Schlegels Lucinde und Karl Gutzkows Wally, die Zweiflerin, sind gewissermaßen geistige Töchter der Geliebten Ardinghellos, Fiordimona.
Eine bedeutende Inspirationsquelle ist der Roman Heinses auch für Friedrich Hölderlin, der dem zwanzig Jahre älteren, schon allgemein anerkannten Schriftsteller 1796 auch persönlich begegnet. Mit Heinse nahe befreundet ist nämlich seine Diotima, Susette Gontard, die Frau des Frankfurter Bankiers, in dessen Haus Hölderlin als Hofmeister beschäftigt ist (es ist vielleicht nur ein Zufall, doch Heinse bekommt seinen ersten Schlaganfall im Juni 1802, ein paar Tage nachdem ihn die Nachricht vom Tode Susette Gontards erreicht hat). Im August 1796 schrieb Hölderlin seinem Bruder:
„Auch HE. Heinse, der berühmte Verfasser des Ardinghello, lebt mit uns hier. Es ist wirklich ein durch und durch trefflicher Mensch. Es ist nichts Schöneres als so ein heitres Alter, wie dieser Mann hat“[25]. Im biographischen Roman Peter Härtlings Hölderlin ist es eben die gemeinsame Lektüre des frivolen Werkes von Heinse, die bewirkt, dass Frau Gontard, die sich einen Augenblick mit der „emanzipierten“ Fiordimona identifiziert, den zurückhaltenden und schüchternen, in sie hoffnungslos verliebten Dichter verführt. Die Szene ist natürlich nur literarische Fiktion, sie vergegenwärtigt allerdings sehr anschaulich die Rolle eines eigenartigen Requisites, die das Buch damals in Salons des literarische Novitäten aufmerksam verfolgenden Bürgertums gespielt haben mag. Ein Zitat aus Ardinghello lässt Hölderlin bereits 1790/1791 seiner Hymne an die Göttin Harmonia vorausgehen und zehn Jahre später dediziert er gerade Heinse die 1800/1801 entstandene berühmte Elegie Brot und Wein. Auch in Hyperion, dessen Handlung Hölderlin zum großen Teil auf etwas idealisierten griechischen Inseln verortet, finden wir einige Motive, die eine gewisse Verwandtschaft mit Ardinghello aufweisen, wie etwa das eskapistische Verlangen, „in ein heilig Tal der Alpen oder Pyrenäen uns zu flüchten, und da ein freundlich Haus und auch von grüner Erde so viel zu kaufen, als des Lebens goldene Mittelmäßigkeit bedarf“[26] oder die Betrachtungen über eine ideale Staatsordnung, „die heilige Theokratie des Schönen (...) in einem Freistaat“[27], die in dem von türkischem Joch befreiten Griechenland herrschen sollte.
Was jedoch Hölderlin an Heinse am stärksten faszinierte, waren wohl seine religionsphilosophischen Konzeptionen, die dieser den zwei im Pantheon diskutierenden Freunden, Ardinghello und Demetri, in den Mund gelegt hat. Der Glaube, „dass Gott die ganze Natur selbst sei“, erweist sich dabei als „der älteste“[28] und ehrwürdigste. Die Materie ist vom „Äther“ durchdrungen und wird auch von ihm regiert (Heinse zitiert hier Euripides und Aristophanes). Dieser „Vater Äther“ wird mit Gott gleichgesetzt, dem „Lebengeber“[29], der Weltseele[30], dem „Wesen der Wesen“[31], die das All umfängt und zusammenhält. Die Scheidung der vier Elemente ist der Anfang der Zeit, doch die Welt bleibt Eins und der Mensch entdeckt in sich eine tiefe Verbundenheit mit ihr: „Eines jeden Gefühl muß ihm sagen, daß er etwas Getrenntes von einem Ganzen ist und daß er sucht, sich wieder mit demselben zu vereinigen“[32]. Dieses pantheistische und hylozoistische Weltbild ist natürlich keine Originalerfindung Heinses, er schöpft vielmehr reichlich aus der Tradition der antiken Philosophie (Aristoteles, Anaxagoras), wobei er nur etwas zum Ausdruck bringt, was ohnehin „in der Luft liegt“. Insbesondere in Deutschland, denn nirgendwo sonst war wohl die Faszination für Spinozas Denken so stark und nirgendwo sonst wurde darüber so heftig diskutiert. Die 1785 von Friedrich Heinrich Jacobi veröffentlichte Broschüre Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn, die den Spinozismus Lessings demaskieren sollte, hatte eine der lebhaftesten intellektuellen Polemiken jener Zeit ausgelöst und das Interesse für die Weltanschauung des holländischen Denkers wiederbelebt. Nicht ohne Recht wird Heinrich Heine ein halbes Jahrhundert später den Spinozismus die „verborgene Religion Deutschlands“ nennen.
Auch Hölderlin schöpft aus unterschiedlichen Quellen, doch Ardinghello ist zumindest ein wichtiger Katalysator, der sein Interesse für Pantheismus und mit ihm verwandte philosophische Konzeptionen fördert. Der Roman legt ihm offensichtlich auch gewisse Begriffe nahe, wie etwa jenen „Äther“, den er – in einer der ersten, 1795 entstandenen Fassung des Hyperion – „das Ebenbild unsers Geistes“[33] nennt und später – in der Hymne An den Aether aus dem Jahre 1797 – den „Vater“, der dem Menschen „den heiligen Othem zuerst in den keimenden Busen“ gießt[34]. Hölderlin ist auch die Meinung Heinses von seinem Roman offenbar nicht gleichgültig: „Heinse, der Verfasser des Ardinghello, hat bei Dr. Sömmering sich sehr aufmunternd über Hyperion geäußert“[35], schreibt er am 2. November stolz seinem Bruder. Tatsächlich, in seinem Brief an Sömmering vom 2. Oktober 1797 meint Heinse: „Hyperions Briefe sind voll lebendiger Empfindung und tiefem Gefühl. Er ist ein Apostel der Natur. Es sind Stellen darin, so warm und eindringend, dass sie selbst den alten Kant ergreifen und von seinem bloßen Schein aller Dinge bekehren sollten“[36]. Ein paar Tage später, was Hölderlin wahrscheinlich nicht mehr weiß, verwässert er etwas dieses Lob etwas: „Was den Hyperion betrifft, so darf man bei einem angehenden Schriftsteller nicht strenge sein. Zarter Sinn und Gefühl für Schönheit der Natur ist darin unverkennbar und lebhafte Darstellung derselben. An Komposition poetischer Wahrscheinlichkeitscharaktere ist er bis jetzt freilich noch ein ziemlich ungelecktes Bärlein“[37].
Der damalige Intellektuelle, wenn er kein Universitätsprofessor oder Beamter ist, lebt gewöhnlich in ständiger Abhängigkeit von allerlei Gönnern, die ihm Beschäftigung, Obdach und Reisegelder geben. Sich in einer solchen Rolle wiederzufinden, erfordert eine nicht geringe diplomatische Gewandtheit, Gefügigkeit und manchmal auch das Talent eines Hofschmeichlers. Als Gleim ihm einmal Gebrauchtkleidung schenkt, drückt Heinse seine Dankbarkeit in einer recht barocken Phrase aus: „Ich werde mehr Wollust empfinden, wenn ich Hemd' und Kleid aus Ihrer Hand trage, als Carl der 5te bey seiner Kaisercrone"[38]. Diese ständige Abhängigkeit erfordert außerdem die Fähigkeit, sich den Erwartungen des jeweiligen „Sponsors“ anzupassen und folglich auch die Bereitschaft, auf eine offene Äußerung seiner Meinungen zu verzichten. Winckelmann etwa ist bereit, um sich in Rom ansiedeln zu können, zum Katholizismus zu konvertieren – wenn auch ohne große Lust. Das Opfer lohnt sich jedoch: Mt Hilfe römischer Bischöfe macht der Gelehrte in Italien eine glänzende Karriere und erlangt internationalen Ruhm als einer der hervorragendsten Kenner der antiken Kunst. Auch Heinse ist eigentlich sein Leben lang auf die Gnade verschiedener Gönner angewiesen, die dabei, wohlgemerkt, nur selten seine ästhetischen, moralischen und religiösen Überzeugungen teilen. Wieland fühlt sich durch dessen unsittliche Neigung zur erotischen Literatur verletzt und Jacobi findet an seiner Faszination für den Pantheismus wahrscheinlich auch kein Gefallen. Heinse versteht es jedoch offensichtlich, eine gemeinsame Sprache mit seinen Brotgebern zu finden. Dies erleichtert ihm wahrscheinlich sein persönlicher Charme, den viele seiner Zeitgenossen erwähnen: „Heinses Bekanntschaft mag schon interessant sein“, schrieb Schiller an Friedrich Huber am 29. Juli 1788, „er ist einer von diesen Köpfen, die nichts so Merkwürdiges schreiben können, als sie selbst sind, und seine Augenblicke vor dem Schreibtisch sind gewiß nicht die schönsten seines Geists, von dieser Art, glaube ich, ist auch Göthe“[39].
Heinse selbst stellt melancholisch fest: „Auf andere Menschen bauen, heißt auf eines anderen Dach bauen, wo man gar bald lästig, und schon ein geringer Grad von Wind zum Sturm wird“[40]. Trotzdem bleibt ihm nichts Anderes übrig, als „auf eines anderen Dach zu bauen“: Kurz nach der Rückkehr aus Italien bekommt er 1787 die Stelle des Vorlesers und später auch Bibliothekars am Hofe des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Friedrich Karl von Erthal. 1794 wird der Sitz der Bibliothek auf das Schloss in Aschaffenburg verlegt. Die Veröffentlichung des Buches, das man als beinahe pornographisch ansieht (und das zu Lebzeiten des Autors noch zweimal verlegt wird), scheint seiner Karriere als Bibliothekar und Hofrat eines katholischen Bischofs gar nicht geschadet zu haben[41]. Sein nächstes, dreibändiges Werk, Hildegard von Hohenthal (1795-1796) hat allerdings keinen so provokativen Charakter mehr wie Ardinghello. Heinse selbst bezeichnet es gern als eine eher wissenschaftliche Arbeit. Nicht ohne Recht, denn der Roman ist im Grunde ein musikologisches Traktat über die italienische Oper und seine spärliche Handlung liefert nur einen Vorwand für weitschweifige theoretische Ausführungen. Diesmal verkünden auch die Helden kein Lob der freien Liebe mehr und ihre Liebschaften enden, wie es sich gehört, mit – durchaus standensgemäßen – Eheschließungen.
Heinse hat noch eine Leidenschaft: das Schachspiel. Und eben der Schachtheorie widmet er seinen letzten, 1803 erschienen „Roman“ Anastasia und das Schachspiel, der schon fast gänzlich der klassischen Handlung beraubt ist. Am 22. Juni desselben Jahres stirbt der Schriftsteller in Aschaffenburg am Schlaganfall.
Hätte Heinse nur die zu Lebzeiten veröffentlichten Schriften hinterlassen, würden heute nur die gewissenhaftesten Literaturhistoriker seiner gedenken. Selbst Ardinghello, ein Roman, der in der Geschichte des deutschen Schrifttums ja eine ziemlich bedeutende und nicht zu übergehende Rolle gespielt hat, kann bei heutigen Lesern schwerlich auf großen Beifall hoffen. Doch der Nachlass Heinses umfasst auch Texte völlig anderer Art. Von 1774 an führte der Schriftsteller regelmäßig Tagebücher. Sie hatten freilich keinen persönlichen Charakter und erinnern vielmehr an die Sudelbücher Georg Christoph Lichtenbergs: Heinse notierte in ihnen verschiedene Bemerkungen, ästhetische Betrachtungen, Beschreibungen von Landschaften und Kunstwerken, Erwägungen religiöser, philosophischer und politischer Natur, Überlegungen zur Sittengeschichte, Moral und Sexualität, Musiktheorie, Schachtaktik usw. Diese Aufzeichnungen vermischten Inhalts waren nicht zum Druck bestimmt, erstaunlich niedrig soll dabei auch die Zahl derer sein, die er später in seinen veröffentlichten Schriften verwertet hat. Immer deutlicher setzt sich doch heute die Überzeugung durch, dass gerade diese Aufzeichnungen das Opus magnum Heinses darstellen, der – aus dieser Perspektive gesehen – als einer der bedeutendsten Aphoristiker und Essayisten des 18. Jahrhunderts erscheint (nicht zufällig wurde er auch der Namensgeber der Medaille, die von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur für hervorragende Leistungen in der essayistischen Literatur verliehen wird). Was an jenen Texten überrascht, sind eine ungewöhnliche Originalität des Gedankens, der oft Wege geht, die sehr fern der Hauptstraßen der Ästhetik und Philosophie jener Zeit liegen, eine außerordentliche Selbständigkeit des Urteils, die oft an Respektlosigkeit gegen die größten Gestalten der Kunst-, Literatur- und Musikgeschichte grenzt, endlich auch Ironie und ein eigenartiger Sinn für Humor.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts blieb dieser Teil von Heinses Werk so gut wie völlig unbekannt. Seine Aufzeichnungen ruhten vergessen in Kästen, die er – zusammen mit seinem Schädel – dem berühmten Anatomen Samuel Thomas Sömmering vermacht hatte. Aus dieser Vergessenheit holte sie erst die monumentale Edition seiner Schriften, die von Leitzmann und Schüddekopf zuwege gebracht wurde, zwei hochverdienten Germanisten, denen das deutsche Lesepublikum auch die erste kritische Ausgabe der Sudelbücher und Briefe Lichtenbergs verdankte. Jene Edition ist heute oft Gegenstand von Kritik: Die Herausgeber gingen ziemlich souverän mit Heinses Handschriften um, indem sie z.B. Passagen miteinander verbanden, die nie ein Ganzes bildeten. Im Laufe der beinahe achtzig Jahre, die seit dem Erscheinen des letzten Bandes (1925) verstrichen sind, hat man übrigens auch einige früher unbekannte Manuskripte wiedergefunden. Dies alles bewirkte, dass vor einigen Jahren Arbeiten an einer neuen kritischen Edition der Tagebücher aufgenommen wurden, die zum 200. Todestags des Autors herauskommen soll und ihn hoffentlich wieder in den Rang einer der interessantesten Individualitäten der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts einsetzen wird. Heute klagt übrigens niemand mehr – wie es die ersten Rezensenten der kurz nach Lichtenbergs Tode veröffentlichten Sudelbücher taten –, dass jene Fragmente nie zu einem zusammenhängenden, geschlossenen Ganzen gefügt wurden. Den heutigen Leser braucht man nicht davon zu überzeugen, dass eine solche quasiaphoristische Niederschrift von flüchtigen Gedanken und Einfällen ein vollwertiger literarischer Text sein kann. Denn der Aphorismus – auch in der sich selbst noch nicht völlig bewussten Gestalt, wie er sie im 18. Jahrhundert annahm – ist ja nichts anderes als, wie es geistreich der polnische Aphoristiker Wiesław Brudziński definiert hat, „ein Einfall zu etwas Größerem, durch keine Ausführung verdorben.“[42] Im Falle von Heinses Schriften scheint es eine besonders zutreffende Definition.
[1] Geschichte der deutschen Literatur im achtzehnten Jahrhundert, Leipzig 1928, III, 178.
[2] S. A. Leitzmann, Wilhelm Heinse in Zeugnissen seiner Zeitgenossen, Jena 1938, S. 2.
[3] Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen. Weimar 1887-1919, IV. Abteilung: Goethes Briefe, Weimar 1887-1912, Bd. 2, S. 176.
[4] So schreibt er im Abschiedsbrief an den Herzog Carl August vom 2. September 1786, a. a. O. Bd. 8, S. 13.
[5] Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in: Winckelmanns Werke in einem Band, hg. von Helmut Holtzhauer, Berlin und Weimar:
Aufbau 1969, S. 17-18.
[6] Wilhelm Heinse, Vom großen Leben, zusammengestellt und eingeführt von Richard Benz, R. Piper& Co. Verlag München 1943. S. 63.
[7] Wilhelm Heinse: Ardinghello und die glückseligen Inseln, Leipzig: Insel 1961, S. 347.
[8] Ebenda.
[9] Ignacy Krasicki (1735-1801), Bischof von Ermland, bedeutender Schriftsteller und Satiriker der polnischen Aufklärung, nahe befreundet mit Friedrich II.
[10] A.a. O., S. 348.
[11] S. 349.
[12] S. 184.
[13] S. K.D. Jessen, Heinses Stellung zur bildenden Kunst und ihrer Ästhetik, Berlin 1901, S. IX.
[14] Claudio Magris, Wilhelm Heinse, Trieste 1968, S. 125. Vgl. auch S. 42: „Heinses Gefühlsleben war (...) ein armes und gedemütigtes Leben und sein intellektueller Immoralismus entsprang eigentlich der Unglückseligkeit und Unbefriedigung.“
[15] Sämtliche Werke, hrsg. v. C. Schüddekopf und A. Leitzmann, Leipzig 1902-1925, IX, 22.
[16] Vom großen Leben, S. 246. – Der Topos der “glückseligen Inseln”, des Gelobten Landes aller Lebensmüden, der „Zufluchtsstätte der Bedrängten und Ruhebedürftigen“ (Novalis), aber auch eines Paradieses der Liebe (das z. B. Francesco Colonna [1433-1527] auf der ionischen Kythera verortete, wo nach Hesiod Aphrodite zur Welt kam) ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Seine Wiederbelebung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert steht im offensichtlichen Zusammenhang mit der Exploration Polynesiens und dem Aufkommen des Südseemythos. – Vgl. auch das Gedicht des polnischen Dichters Konstanty Ildefons Gałczyński Glückliche Inseln (1930): „Und du fahre mich auf die glücklichen Inseln, wehe mit milden Winden die Haare mir frei wie Blumen, küsse mich los, wiege mich in den Schlaf, schütte mich zu, betöre mit musikalischem Traum, wecke mich, auf den glücklichen Inseln, im Schlaf nicht aus Träumen. Zeige mir stille Wasser und große Gewässer, lass mich die Sprache der Sterne auf grünen Zweigen belauschen, zeige mir viele Falter, liebkose die Herzen der Falter und bringe sie mir nahe, liebevoll neige die sanften Gedanken über die Wasser.“ (Übersetzt von Karl Dedezius, zit. nach: Karl Dedezius, Polnische Profile, Suhrkamp Frankfurt a. M 1989, S.
89
[17] Ardinghello, S. 126.
[18] Ardinghello, S. 138
[19] Sämtliche Werke II, 11.
[20] Vgl. „Heinse und Nietzsche. Anfang und Vollendung der Dionysischen Ästhetik“ in: Max L. Baeumer, „Heinse-Studien“, Stuttgart 1966, S. 92-124.
[21] Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen, hg. von Gert Ueding, Frankfurt/M: Insel, 1977, S. 23.
[22] Anette von Droste-Hülshoff, Das Eselein, in: Annette von Droste-Hülshoff: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Nach dem Text der Originaldrucke und der Handschriften, hg. von Günther Weydt und Winfried Woesler, Band 1, München: Winkler, 1973, Bd. 1, S. 184.
[23] Goethes Werke I, 36, S. 247.
[24] Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Auf Grund der Originaldrucke hg. von Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert in Verbindung mit Herbert Stubenrauch, München: Carl Hanser, 1962, Bd. 5, Anm. 19 zu S. 743
[25] Hölderlin, Werke und Briefe, hrsg. von Friedrich Beißner und Jochen Schmidt, Insel Verlag Frankfurt am Main, Bd. II, S. 856n. – Vgl. den Brief an Neuffer vom 16. Februar 1797 (a. a. O., S. 868): „Den Sommer habe ich in Kassel und in einem westfälischen Bade (...) gelebt, größtenteils in Gesellschaft von Heinse, den Du als Verfasser des Ardinghello kennst. Er ist ein herrlicher alter Mann. Ich habe noch nie so eine grenzenlose Geistesbildung bei so vieler Kindereinfalt
gefunden.“
[26] A.a. O. S. 413.
[27] S. 379.
[28] Ardinghello, S. 280.
[29] S. 249.
[30] S. 247.
[31] S. 30.
[32] S. 249.
[33] Hyperions Jugend, Sämtliche Werke. Kleine Stuttgarter Ausgabe, hrsg. von Friedrich Beissner, Stuttgart: Cotta, 1946-1962, Bd. 3, S. 237..
[34] Werke und Briefe, Bd. I, S. 21. – In der 1798 herausgegebenen Schrift Von der Weltseele weist Schelling darauf hin, dass die älteste Philosophie den Äther mit der „gemeinschaftlichen Seele der Natur“ identifizierte.
[35] A. a. O., Bd. II, S. 874.
[36] Vom großen Leben, S. 236.
[37] Zit. nach: Werke und Briefe Bd. I, Erläuterungen S. 170.
[38] Sämtliche Werke IX, 22. S. 36.
[39] Schillers Werke, Nationalausgabe Bd. 25 Briefwechsel. Schillers Briefe 1788-1790, hrsg. von Eberhard Haufe, Weimar 1979, S. 88.
[40] Vom großen Leben, S. 213.
[41] Der Erzbischof soll sogar den Damen des Hofes Passagen aus dem Roman höchstpersönlich vorgelesen haben.
[42] Bedenke, bevor du denkst. 2222 Aphorismen, Sentenzen und Gedankensplitter der letzten 100 Jahre, hrsg. und übers. von Karl Dedecius, Frankfurt a. M. Suhrkamp 1995, S. 286. Warning: While decoding this file Opera encountered errors.
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